Literarisch, prosaisch, phantastisch
Ks dritter Roman, sozusagen infolge, widmet sich erneut dem Thema Schicksal/Absurdität des Lebens. Der Autor läßt uns erleben, wie das Schmerzempfinden zur gesteigerten Wahrnehmungsfähigkeit sozialer Strukturen und Bewegungen wird, seine Prägnanz der Situationen, seine Geschehensstruktur, sein Charakterbau, seine Deformation absurder Erlebnisinhalte, seine Wühlarbeit in tiefen Wesensgründen, seine Seelenarbeit verhelfen dem Roman zu poetischer Entschiedenheit, lassen die Totalität des Anspruchs seitens des Autors klar hervortreten.
Heute spricht man oft von neuer Prosa, das ist sie! Wenn es sie überhaupt gibt. Ks evidentes Charisma hat ihm wohl stets behilflich sein können, doch dieser Roman wird es noch steigern können, ist er doch gar nicht darauf angewiesen. SeineWortgebildehaftigkeit als emotionaler Ausdruck der Erkenntnis des Absurden in schicksalsschwerer Dauerhaftigkeit - sein Leid ist endlos - reißen den Leser in eigene Wesenstiefen hinab, unweigerlich, unrettbar.
Linguistische Ornamentik, Zeichensprache, Zwangherrschaft der verkommenen erzählerischen Form, Sprachphantomimen, Naturprosa in unregierbarem Urzustand macht diesen Roman zum Roman schlechthin. Büchner und Beckett sind seine geistigen Väter - was ich schon bei seinem ersten Roman erkannt habe - und auch hier wieder erweist er sich als würdiger Sohn.
Ks dritter Roman ist ein Roman in dieser schweren Zeit, über diese schwere Zeit, und für diese schwere Zeit. Ein Buch für die Ewigkeit.
j.
Paris, 1981