Archive for Februar, 2008

Buchtipp - Gesucht: Kunst! - Phantombild eines Jokers

Donnerstag, Februar 28th, 2008

So stark Wolfgang Ullrich in seiner Zerlegung tradierter Meinungen zum Begriff Kunst - hier trefflich als Kunst! beschrieben - ist, so ungenau wird er, wenn er seine eigene Gedankenwelt zum Thema hernach aufbaut. Richtig und wichtig ist es, den Begriff Kunst kritisch zu hinterleuchten. Wer führt ihn im Munde und will was damit erreichen? Tiefsinnig schildert Ullrich, was es für den junden Künstler von heute heißt, sich dem Begriff unterzuordnen und im Kunstbetrieb einzufügen. Wie in anderen Bereichen auch so schafft sich der Kunstbetrieb seine Grenzen um alsdann den Übergang nach eigenem Gusto zu kontrollieren. Trefflich zu lesen sind auch seine Anmerkungen zur Zeit, insbesondere im Hinblick auf den an den Exponaten nagenden Zahn derselben. Etwas schwächer wird der Professor dann, wenn er nach gelungener Demontange weiter Teile der vorherrschenden Kunstkritik versucht, ein alternatives Denkgebäude an den Start zu bringen. Und trotzdem bleibt es eine Buchempfehlung.

Buchtipp - Bilder bewegen - Von der Kunstkammer zum Endspiel

Freitag, Februar 8th, 2008

Das Buch versammelt eine Reihe von Aufsätzen und Reden von Horst Bredekamp, seines Zeichens Professor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität und Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Wer sich von kunsthistorischem Wortgeklingel nicht abhalten läßt und auch einsame Pässe im Grammatik-Gebirge findet, kann sich herrlich an dem Kunstkritiker und seiner Sicht reiben. Wem es nicht darum geht, seine eigene Meinung zu lesen sondern es vergnügt, eine andere zu lesen (und seine eigene daraufhin zu prüfen), dem sei dies Buch empfohlen.

Kostproben gewünscht? “Die Visualisierung der Chaosformeln hat auch deswegen einen starken Hang zum Sakralen, weil sie ihre ideologischen Prämissen aus einer säkularisierten Selbstvergottung bezieht, die auch die Metaphysik des Computers geprägt hat.” Aber gilt nicht auch: wes (Mandel)brot ich ess, des Lied ich sing! - In einer medialen Welt tut es der Forschung gut, wenn sie um Ressourcen kämpft und Bildhaftes vorzeigen kann.

Und: “Um allmächtig sein zu können, muß Gott würfeln, denn wenn er einem Nutzzweck unterworfen wäre, gäbe es eine Instanz über ihm.” Diese Bredekampsche Antwort auf Einsteins “Gott würfelt nicht!” läßt schmunzeln. Wie auch immer man dazu steht, das der alte Patentbeamte erkannte, dass Mathematik und Physik zur Zeit den “Zufall” nicht hergeben und gleichzeitig einem Gottglauben eine Option bewahren wollte, hat er doch nicht mehr gesagt, als daß, sollte die Option weiter gelten, sie nicht schon der gewonnenen Erkenntnis zuwider laufen möge. Und darüber hinaus sei angemerkt, daß Logik ein weitläufiges Feld ist, auf dem sich schon so mancher verlaufen hat. Wenn Gott nicht würfelt, kann er das aus freiem Willen tun. Und eben dieser freie Wille ist wohl der gravierende Unterschied zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen. Was uns auch milde stimmt, denn auch der Professor konnte es somit nicht anders formulieren als er es tat.

Anregend zu lesen sind auch die Gedanken zum Vorläufer des Fußballs. Und Argumente Bacon zu lese, werden auch zuhauf geliefert.