Archive for the ‘1d’ Category

Es gibt keinen freien Willen.

Samstag, November 24th, 2007

Es gibt keinen freien Willen. Freier Wille bedingt Zufall. Zufall gibt es - in meiner Wahrnehmung - nicht. Umgangssprachlich wird der Begriff Zufall benutzt, um zu umschreiben, daß es unmöglich sei, etwas vorherzusehen. Wenn die Würfel fallen, wissen wir nicht, wie sie fallen, aber nicht, weil wir nicht wüßten, wie wir es ausrechnen könnten. Wir wissen es nicht, weil wir die Ausgangslage nicht vollständig kennen. Vor allem stört uns, daß wir es nicht schneller ausrechnen können, als die Würfel fallen und so eben nicht vorher schon sagen können, welche Seiten oben liegen werden.

Dennoch folgen die Würfel Naturgesetzen, und auch wenn wir diese nicht kennen sollten, würden die Würfel in unserer Vorstellung immer wieder gleich fallen, wäre nur die Ausgangssituation die gleiche.

Unsere Wahrnehmung suggeriert uns Konzepte wie Bewußtsein, Bewußtheit und “Freier Wille”. Tatsächlich verhält es sich in unserem Gehirn und seinen am Denkprozess Beteiligten wie mit den Würfeln. Die Ausgangssituation des “Systems” determiniert die Folge(-situation). Freier Wille würde etwas wie Variation, Alternative oder eben Zufall bedingen. Es gibt aber keine Situation ohne Vorgänger, egal übrigens, in welche Richtung Sie die Zeit durchschreiten (technischer KO für Zeitreisende in die Vergangenheit, die den Grund ihrer Reise abwenden möchten).

Für das biologische Subsystem “Mensch” mag dies unangenehme Fragen aufwerfen (Verantwortung, Erziehung). Es wird von Vorteil gewesen sein in der Savanne, an einen freien Willen zu glauben. Spannend ist es, zu prüfen, ob es von noch größerem Vorteil sein kann, darüber hinaus zu gehen (Post-Demokratische Gesellschaften).

Sie haben eine andere Meinung? Gut.

Wieviele Sommer gibst Du Dir noch?

Samstag, November 24th, 2007

Vor einiger Zeit bin ich mit M. im VAR (Frankreich) am alten Betonbett des Kanals entlang gewandert und habe mit ihm über die Zeit gesprochen. Den meisten Menschen gebräche es an einem wirklichen Gefühl für die Zeit. In der oft gehörten Floskel, es fehle an Zeit, stecke etwas Wahres. Rastlos würden sie sich treiben lassen in ihrem Leben, unsicher, gehetzt und würden sich doch wie kleine Kinder verhalten, die sich für - womöglich - unsterblich hielten. Zumindest würden sie sich so verhalten.

Ich hielt damals wie heute Zeit für so kostbar, daß ich sie als “unbezahlbar” bezeichnen wollte im Sinne von “nicht teuer genug abkaufbar”.

M. nickte und meinte, es gäbe eine Möglichkeit, diesen gehetzten Gesellen ein Gefühl von Endlichkeit näher zu bringen. Zwischen all den Terminen (Kind/Geige, Auto/Werkstatt, Hund/Park) müsse man sie nur beiseite nehmen und etwas fragen.

“Was?”

“Wieviele Sommer gibst Du Dir noch?”

Das vermittelt dem Gefragten ein Gefühl von seiner Endlichkeit.

M. ist zwei Jahre später bei Renovierungsarbeiten vom Dach abgerutscht und drei Meter tief auf eine Betonplatte gefallen. Er hat schwer verletzt überlebt. Er wird keinen Sommer auslassen. Das wünsche ich ihm.